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Paul Geheeb and the Ecole d'Humanité


English:
By: Mark Schmid, May 4th, 2021

Paul Geheeb in his early 30s
Image thanks to: Wikipedia.de Paul Geheeb in his early 30s.
Paul Geheeb (1870-1961) was, and to date remains an unrecognized genius. He saw the evils of industrialization for humanity: How people became more and more estranged from each other in the anonymous (back then) new cities, and more and more separated from each other and from their own nature, their being human. How people were more and more trained and made to be nothing but production- and performance-machines for the upcoming industry. Paul Geheeb wanted to fight, prevent and reverse that. He wanted to change human existence, how people live, and all of human society, and put it on an entirely new basis. He wanted to make it more natural and appropriate to the species for humans again, in other words, more appropriate for human beings.

Much like others in his time, Paul Geheeb wanted to achieve this mainly by safeguarding children, in other words, the next generation against the evils of the (back then new) industrialization. This was to be achieved by a better, more appropriate to the species, more humane and individual upbringing and education, as well as by a life in a community as is more natural and appropriate to the species for humans. The idea was, quite according to his role-model Immanuel Kant, that such a next generation would in turn then change and improve the world and human existence when it grows up. If people would grow up, be brought up, and educated better, more appropriate to the species and according to their true nature and needs as humans, then, so Paul Geheeb believed, they would become better people. And thereby lastly society, even all of humanity and the world could be improved and turned to the better.

Parents as is generally known, bring up and educate their children only in such a manner that they fit into the current world, even if it is (yet so) depraved. But they should better educate and bring them up in a manner so that a better future condition can be achieved. — Immanuel Kant (1724 - 1804)

In order to achieve this most ambitious goal - today without a doubt people would call him "crazy" - Paul Geheeb founded several schools with enormous efforts and also a lot of luck. 1910 the "Odenwald-school" and lastly, 1934 the "Ecole d'Humanité", the "School of Humanity". There, people lived together very appropriate to the species, in living communities in which similar to a native tribe, everyone knows everyone, everyone is fundamentally equal and honorable, everyone carries as much responsibilities as possible according to his or her abilities, and community is fostered and facilitated in various ways as much as possible, by doing as many things as possible together. Just like it was natural and appropriate to the species for human beings during almost their entire evolution. The goal was that these children, this next generation that was brought up and "educated" there, would then change the world as adults. - Paul Geheeb thereby much preferred the term individual and self-motivated development instead of "education".

The Odenwald-school and the Ecole d'Humanité founded by Paul Geheeb, and all his efforts in education therefore were really just a means to an end to improve the world and humanity, human existence. Unfortunately, nobody understands this or is interested in it at the Ecole d'Humanité anymore today. The personal friends of Paul Geheeb, those who knew and respected him are long dead. - Or they and their influence are excluded or silenced by those who run the school today. Nobody cares about the goals of Paul Geheeb anymore. All to much of that which still exists of the Ecole d'Humanité in today's advanced capitalism fights only for money and financial profit.

Even the former students of the "Ecole d'Humanité", who call themselves "Ecolianers", the hope of Paul Geheeb, even they often don't know anything about these original goals and are totally ignorant and uncaring about them. How could they, if even at the Ecole d'Humanité, the school of humanity of Paul Geheeb, they never learned this and were never told? Stupidity and ignorance, as is well-known, are unfortunately also part of human nature. Albert Einstein supposedly once to the sense of meaning fittingly said about this: Only two things are infinite: The universe and human stupidity. And I'm not sure about the first.

Today's Ecole in Winter
Image thanks to: Wikipedia.de View on some of the houses of today's "Ecole d'Humanité" in the Swiss alps.

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Deutsch:

Paul Geheeb und die Ecole d'Humanité

Von: Mark Schmid, 4. Mai, 2021

Paul Geheeb in seinen frühen 30ern.
Bild dank: Wikipedia.de Paul Geheeb in seinen frühen 30ern.
Paul Geheeb (1870-1961) war und ist bis heute ein unerkanntes Genie. Er sah die Übel der Industrialisierung für die Menschen: Wie Menschen sich in den anonymen (damals) neuen Städten immer mehr verfremdeten und sich von einander und ihrer eigenen Natur, ihres Menschseins entfernten. Wie die Menschen für die aufkommende Industrie immer mehr zu reinen Produktions- und Leistungsmaschinen erzogen und gemacht wurden. Paul Geheeb wollte das stoppen, bekämpfen und umkehren. Er wollte die menschliche Existenz, wie Menschen leben und die ganze Gesellschaft verändern und auf eine ganz neue Basis stellen. Er wollte sie wieder natürlicher und artgerechter für den Menschen, also menschengerechter machen.

Wie andere in seiner Zeit auch, wollte Paul Geheeb das hauptsächlich damit erreichen, dass er Kinder, also die nächste Generation gegen die Übel der (damals neuen) Industrialisierung wappnete. Dies sollte erreicht werden durch eine bessere, artgerechtere, menschlichere und individuellere Erziehung und Ausbildung, sowie durch ein Leben in einer Lebensgemeinschaft, wie dies für den Menschen natürlicher und artgerechter ist. Die Idee war ganz gemäss seinem Vorbild Immanuel Kant, dass diese nächste Generation dann ihrerseits die Welt und die menschliche Existenz ändern und verbessern würde wenn sie erwachsen wird. Wenn Menschen besser, artgerechter und gemäss ihrer wahren Natur und Bedürfnissen als Menschen aufwachsen, erzogen und ausgebildet würden, dann werden sie, so glaube Paul Geheeb, bessere Menschen werden. Und dadurch könnte und würde sich die Gesellschaft, ja die ganze Menschheit und die Welt letztlich auch verbessern und zum besseren wenden.

Eltern erziehen gemeiniglich ihre Kinder nur so, dass sie in die gegenwärtige Welt, sei sie auch [noch so] verderbt, passen. Sie sollten sie aber besser [so] erziehen, damit ein zukünftiger besserer Zustand hervorgebracht werde. — Immanuel Kant (1724 - 1804)

Um dieses äusserst ehrgeizige Ziel zu erreichen - heute würden wir zweifellos von einem "Spinner" reden - gründete Paul Geheeb mit enormem Einsatz und auch viel Glück mehrere Schulen. 1910 die "Odenwald-Schule" und zuletzt, 1934 die "Ecole d'Humanité", die "Schule der Menschheit". Dort lebten Menschen sehr artgerecht, in Lebensgemeinschaften, in denen ähnlich wie in einem Indianerstamm jeder jeden kennt, alle Menschen grundsätzlich gleichwertig und achtenswert sind, alle möglichst viel Verantwortung gemäss Ihren Fähigkeiten tragen und in denen Gemeinschaft möglichst gepflegt und auf vielfältige Weise erleichtert wird, indem so viel wie möglich zusammen gemacht wird. So wie es für den Menschen während fast seiner ganzen Evolution natürlich und artgerecht war. Das Ziel war, dass diese Kinder, die nächste Generation die dort "ausgebildet" wurde, als Erwachsene dann die Welt verändern würde. - Paul Geheeb sprach dabei viel lieber von individueller und selbständiger Entwicklung als von "ausbilden".

Die von Paul Geheeb gegründete Odenwald-Schule und die Ecole d'Humanité, und all seine Anstrengungen in der Pädagogik waren für ihn somit eigentlich nur Mittel zum Zweck um die Welt und die Menschheit, die menschliche Existenz zu verbessern. An der Ecole d'Humanité versteht oder interessiert das heute leider kein Mensch mehr. Die persönlichen Freunde Paul Geheebs, die ihn gekannt und respektiert haben sind längst gestorben. - Oder sie und ihr Einfluss werden von jenen welche die Schule heute betreiben ausgegrenzt oder zum Schweigen gebracht. Die Ziele von Paul Geheeb interessieren einfach niemand mehr. Zu sehr kämpft das, was von der Ecole d'Humanité im fortgeschrittenen Kapitalismus heute noch übrig geblieben ist nur noch um Geld und finanziellen Profit.

Selbst die ehemaligen Schüler/innen der "Ecole d'Humanité", die sich selbst als "Ecolianer/innen" bezeichnen, die Hoffnung Paul Geheebs, selbst sie wissen heute meist nichts mehr von diesen ursprünglichen Zielen und sind diesen gegenüber oft völlig ignorant und gleichgültig. Wie sollen sie auch, wenn es ihnen selbst an der Ecole d'Humanité, der Schule der Menschheit von Paul Geheeb nie gelehrt oder gesagt wurde? Auch Dummheit und Ignoranz ist bekanntlich leider ein Teil der menschlichen Natur. Albert Einstein hat dazu angeblich einmal sinngemäss passend gesagt: Es gibt nur zwei Dinge die unendlich sind: Das Universum und die menschliche Dummheit. - Und beim ersten bin ich mir nicht ganz sicher.

Die heutige Ecole im Winter
Bild dank: Wikipedia.de Sicht auf einige der Häuser der heutigen "Ecole d'Humanité" in den Schweizer Alpen.

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